Wenn eine anwaltliche Vollmacht missbraucht wird – Was kann ein ausländischer Kläger tun?

Von Michael R. Jackson, Gesellschafter

Unter gewissen Umständen muss man einem anderen die Berechtigung übertragen bzw. geben, Entscheidungen für einen selbst treffen zu dürfen. Eine Möglichkeit stellt z.B. der Gebrauch einer Vollmacht („Power of Attorney“)Power of Attorney, Vollmacht, Rechtsstreit, Betrug, Vertragsbruch dar, eine schriftliche Genehmigung, die es dem Rechtsanwalt oder Agenten desjenigen, der die Vollmacht erteilt hat (Vollmachtgeber) erlaubt, für den Vollmachtgeber in persönlichen, geschäftlichen oder rechtlichen Angelegenheiten tätig zu werden. Durch die Übertragung einer solchen Vollmacht wird der Agent oder Anwalt zum Treuhänder und ist verpflichtet, gutgläubig für den Vollmachtgeber zu handeln. Leider kommt es jedoch immer wieder zu Vertrauensverstößen.

In einem unserer Fälle, vertrat die Kanzlei eine ältere Dame, M.H. aus München, die ihre sämtlichen Ersparnisse in den Kauf eines Hauses in Arizona gesteckt hatte. M.H. verbrachte einen Teil des Jahres in ihrem Heimatland Deutschland, währenddessen eine deutsche Freundin G.C., die in die USA ausgewandert war, auf das Haus aufpasste. G.C. wollte jedoch in einen anderen Bundesstaat ziehen und überredete daher M.H. das Haus zu verkaufen, wobei sie M.H. versprochen hatte, ihr den Verkaufsserlös zukommen zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte G.C. M.H. mitgeteilt, dass sie eine Vollmacht von ihr benötige, um den Vertrag, dazugehörige Grundstücksdokumente, den Kaufvertrag und letztendlich die “Closing Documents” unterschreiben zu können. Als Teil des Vorgangs nutzte G.C. die Vollmacht, um den Verkaufserlös des Hauses in Empfang zu nehmen. Das Haus war verkauft, der Erlöss in Empfang genommen, jedoch wurde das Geld nie nach Deutschland gesendet. M.H. war in ihren 70igern, sprach kein Englisch und am Boden zerstört. Durch meine deutschen Sprachkenntnisse war es mir möglich, M.H. zu erklären, dass wir G.C. an ihrem jetztigen Wohnort verklagen können, um so die Herausgabe des Verkaufserlöses einzuklagen. Es wurde Klage beim Bundesgericht eingereicht und Ansprüche wegen Betrugs, Verletzung treuhänderischer Pflichten, Umwandlung, ungerechtfertigter Bereicherung, Promissory Estoppel, arglistiger Täuschung, Vertragsverletzung, betrügerischer Übertragung sowie Verschwörung geltend gemacht. Wir fanden heraus, dass G.C. das Geld für den Kauf eines großen Grundstücks und Haus verwendet und das Anwesen zum eigenen Schutz in eine lebenslängliche Treuhandsverwaltung gegeben hatte. Durch die Führung eines Prozesses konnte die Kanzlei – The Jackson Law Firm – letztendlich im Namen von M.H. die Kontrolle über das Anwesen gwinnen. Mit Hilfe eines ortsansässigen Immobilienmaklers und ironischerweise der Ausstellung einer weiteren Vollmacht, war es uns gelungen, dass Anwesen im Namen von M.H. zu verkaufen und den Verkaufserlös im Namen von M.H. in Empfang zu nehmen. Die Moral von der Geschichte ist somit, dass eine Vollmacht nur demjenigen erteilt werden sollte, dem Sie wahrhaftig vertrauen.

Nicht jeder Vollmachtsmissbrauch endet so zufriendenstellend. Wenn Sie Fragen zu Ihren Rechten haben, empfehlen wir Ihnen dringend mit unserer Kanzlei Kontakt aufzunehmen, damit wir diese besprechen können. Bitte beachten Sie, dass die Geltungmachung solcher Ansprüche innerhalb von bestimmten Fristen erfolgen muss, welche in den jeweils anzuwendenen Verjährungsgesetzen geregelt sind. Wir empfehlen Ihnen daher dringend, sich umgehend rechtlichen Rat einzuholen.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass unsere Anwaltskanzlei Sie noch nicht repräsentieren und für Sie tätig werden kann, bis wir eine schriftliche Vertretungsvereinbarung eingegangen sind. Falls wir nicht auf Ihre Anfrage antworten oder wir Ihren Fall nicht übernehmen können, kontaktieren Sie bitte unverzüglich eine andere Anwaltskanzlei, um Ihren Fall bewerten zu lassen.

© Jackson Law International 2013